KANN MAN WIRKLICH WISSEN, WAS IN ZUKUNFT PASSIERT?
Wir alle kennen das: Wir haben an jemanden gedacht, und schon klingelt das Telefon. Diese Person ist am Apparat. Wir haben eine Idee, und fast im selben Augenblick sagt jemand gerade das, was wir gedacht haben. Wir denken an eine Situation, imaginieren, was passiert, und wenig später passiert genau das, was wir imaginiert haben. Wir gehen die Straße entlang und denken gerade an jemanden, den wir lange nicht gesehen haben, da kommt er auch schon um die Ecke. Wir wundern uns darüber, aber wir sprechen mit niemandem darüber, sondern freuen uns einfach, dass unser sechster Sinn funktioniert hat.
Wahrsager sind da ganz anders. Sie trainieren diesen sechsten Sinn, und sie behaupten: Jeder kann diesen sechsten Sinn entwickeln. Jeder kann in die Zukunft schauen. Jeder kann Gedanken lesen und entfernte Sachen registrieren. Und das kann sehr nützlich sein, um im eigenen Leben etwas klarer zu sehen. Denn wenn man imaginieren kann, wie die Zukunft sein wird, kann man sie besser kontrollieren. Man kann besser das eigene Leben planen; man kann besser handeln, um Ziele zu realisieren oder Probleme zu vermeiden. So denken die Wahrsager.
In den USA gab es an vielen Universitäten Wahrsagerkurse, und sie hatten grossen Erfolg, nachdem in Kalifornien an der Universität Berkeley Studenten des Wahrsagerkurses sehr gute Noten in anderen Kursen und Prüfungen hatten. Warum? Weil sie genau für die Themen gelernt hatten, die dann in der Prüfung auch gefragt wurden! Sie hatten das gemacht, was sie im Wahrsagerkurs trainiert hatten. Und sie hatten mit lustigen Spielen trainiert wie zum Beispiel „Gegenstände suchen“, oder „telepathisches Zeichnen“.
Beim Suchen von Gegenständen verlässt ein Student die Aula, die Anderen verstecken etwas. Der Student kommt zurück. Die Anderen stellen sich um ihn herum und berühren mit den Fingerspitzen seinen Hals. Dabei konzentrieren sie sich auf das Versteck und versuchen, dieses Wissen durch ihre Finger dem Studenten zu übertragen. Sie drücken stark oder schwach, oben oder unten, rechts oder links und konzentrieren sich sehr auf ihre Gesten. Der Student versucht dann, das Versteck zu finden. Wenn man oft übt, hat man mehr Erfolg.
Kann so jeder seine Prüfungen vorher wissen? Muss man nur den sechsten Sinn entwickeln? Das sagen die Wahrsagerlehrer. Das wäre aber sehr praktisch! Das Problem ist nur folgendes: Wenn man nur das lernt, was in den Prüfungen gefragt wird, hat man am Schluss eine sehr defiziente Bildung und hat nicht genug für den eigenen Beruf gelernt. Deshalb ist die Mode der Wahrsagerkurse für das Lernen und die Vorbereitung von Prüfungen jetzt vorbei.
Text bearbeitet und gekürzt aus
Texte für den Unterricht (2011)
sich wundern: estranyar-se / extrañarse
r Sinn: sentit / sentido
r Wahrsager: endeví / adivino
s Ziel: objectiu / objetivo
vermeiden: evitar
r Gegenstand: objecte / objeto
verstecken: amagar / esconder
übertragen: transmetre / transmitir