AUF DER UNI RADFAHREN LERNEN
Die Universität Göttingen ist bei vielen Studenten nicht nur wegen des Studiums beliebt, sondern auch weil sie alles zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichen können. Für viele Studierende ist deshalb das Fahrrad das beste Verkehrsmittel, und sie fahren immer mit dem Fahrrad. Es gibt sehr viele Fahrräder und Fahrradfahrer in Göttingen. Nicht wenige Studierende, die vom Ausland nach Göttingen kommen, stehen aber vor einem Problem: sie würden auch gerne wie andere Studierende mit dem Rad durch die Stadt fahren, aber sie können es nicht, weil sie in ihrer Heimat das Radfahren nicht gelernt haben. Um ihnen zu helfen bietet jetzt die Universität in Zusammenarbeit mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) einen Radfahrkurs für ausländische Studierende an.
Der Kurs hatte von Anfang an einen sehr großen Erfolg. Er war sofort ausgebucht. „Bei uns zu Hause gibt es keine Radwege. Radfahren kann man nur in den Dörfern, in den Städten ist es einfach zu gefährlich“, sagt eine Studentin aus Nigeria. Jetzt will sie gemeinsam mit sieben Studierenden an zwei Wochenenden unter professioneller Anleitung das Radfahren erlernen. Ähnlich spricht auch eine Studentin aus Indien über ihre Kindheit: als sie ein Kind war, durfte sie nicht Radfahren, sie hat es also nicht gelernt. „Mein Vater hat mir das Radfahren verboten, weil es zu gefährlich war. Deshalb habe ich es nie gelernt.“ Als sie nach Göttingen kam, fand sie es sehr frustrierend, dass sie zu Fuß immer viel mehr Zeit brauchte als ihre Freunde, die mit dem Rad fuhren. Sie hat zuerst versucht, ganz allein das Radfahren zu lernen. Aber das war zu kompliziert. „Ich habe es aufgegeben, nachdem ich zweimal gestürzt war und mich am Knie schwer verletzt hatte.“
Der Kurs ist so konzipiert, dass die Studierenden ohne Angst langsam Radfahren lernen. „Zuerst machen wir einige Balanceübungen mit dem Roller“, erklärt Kursleiter Ulrich Schäfer, der eine Spezialausbildung zum Radfahrlehrer gemacht hat. […] Später steigen die Studenten auf besonders stabile Fahrräder und zuletzt dann auf die „richtigen“ Fahrräder. „Das Schwierigste ist, das zweite Bein aufs Pedal zu bringen“, sagt Reiner Worm, einer der Lehrer.
Jiguan Zheng freut sich schon darauf, wenn er dann richtig Radfahren kann. „In Göttingen ist es wichtig, dass man Radfahren kann“, sagt er. Er studiert Mathematik und kommt aus Szechuan. In China fahren viele Menschen Rad, aber seine Eltern hatten es ihm verboten. „Ich war brav und habe Radfahren nicht gelernt. Mein Bruder war nicht so brav und hat es heimlich gelernt“, sagt er. Jetzt freut sich Jiguan Zheng, es doch noch lernen zu können.
Text bearbeitet und gekürzt aus
Hannoversche Allgemeine Zeitung (17 März 2014)
erreichen: aconseguir / alcanzar
ausgebucht: complet / completo
e Anleitung: direcció / dirección
gefährlich: perillós / peligroso
versuchen: intentar
aufgeben: desistir
stürzen: caure / caerse
e Balance: equilibri / equilibrio
r Roller: patinet / patinete