AMPELMÄNNCHEN
Ohne die berühmten Ampelmännchen kann der Stadtverkehr heute kaum funktionieren. In den meisten Ländern sind die Figuren in den Ampeln rot und grün und regeln so den Verkehr für Fußgänger.
Die erste Fußgänger-Ampel in Europa gab es 1933 in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Vier Jahre später stand in Berlin die erste deutsche Fußgänger-Ampel. Damals existierten aber nur einfache Licht-Ampeln ohne Ampelmännchen. Es passierten immer wieder Unfälle, weil Menschen die Lichter nicht richtig verstehen konnten. Durch die Ampelmännchen wurde die Situation besser. Fußgänger können seitdem deutlich erkennen, wann man über die Straße gehen darf und wann man stehen bleiben muss.
Seit den 1980er Jahren gibt es in Deutschland lokale Varianten. Wichtig ist nur: Die Ampeln müssen bei Rot eine Figur zeigen, die steht. Und bei Grün muss man klar sehen, dass die Figur geht. In Erfurt zum Beispiel gibt es ein Ampelmännchen mit Regenschirm. Seit 2018 erinnert Trier mit Karl-Marx-Ampeln an den berühmtesten Sohn der Stadt. Wer mit Elvis Presley als Ampelzeichen über die Straße gehen möchte, muss nach Friedberg fahren. Aus regionaler Industrie- und Arbeitertradition gibt es in Duisburg Ampeln mit Bergmännern. In vielen deutschen Städten kann man auch Ampelmädchen sehen, und homosexuelle Ampelpaare gibt es seit einigen Jahren nicht nur in Wien, Hamburg und Berlin, sondern auch in London, Madrid und Canberra. Ampeltiere sind in Mitteleuropa aber selten, nur in Wimbledon gibt es Pferdeampeln.
Eine besondere Geschichte hat das berühmte Ost-Ampelmännchen: Der Psychologe Karl Peglau hat es 1961 gezeichnet. Es ist etwas runder als das Ampelmännchen in West-Deutschland und trägt einen Hut. Weil viele Menschen die Figur behalten wollten, durfte sie nach der Wiedervereinigung 1989-1990 bleiben.
Text bearbeitet und gekürzt aus
Ruth KELLER. Presse und Sprache (September 2019)