BEQUEMER EINKAUFEN
Ich heiße Ursel und wohne mit meinem Mann und unseren zwei Kindern im fünften Stock. Ohne einen Fahrstuhl im Haus. „Freu dich doch! Das ist gut für die Gesundheit“, sagt meine Mutter immer. Aber das letzte Mal hat sie uns vor vier Monaten besucht. Und auch unseren Freunden kann ich nicht glauben, wenn sie atemlos und mit rotem Kopf vor unserer Tür stehen und rufen: „Wie toll! Da habt ihr ja euer eigenes Fitnessprogramm!“ Fitnessprogramm? Haben Sie eine Idee davon, was das ist, wenn man zwei Packungen Milchkartons, eine Wasserkaraffe, ein Kilo Kartoffeln, Karotten, Tomaten, Müsli und ein Paket Kaffee fünf Stockwerke nach oben schleppt? Die Arme und Beine tun weh und der Rücken auch.
Meine Nachbarin Marlene, die im dritten Stock wohnt, ist sehr jung und sehr sportlich. Das Gegenteil von mir. Sie fragte mich vor ein paar Wochen: „Warum bestellst du denn deine Einkäufe nicht online? Dann hast du auch Hilfe beim Tragen.“ Hm, denke ich. Da hat sie Recht. Ich kaufe bereits viel im Internet. Kleidung, wenn ich schnell etwas Neues brauche. Geschenke, wenn ich genau weiß, was sich der andere wünscht, und ich jetzt nur noch die Preise vergleichen möchte. Aber Lebensmittel habe ich noch nie online gekauft.
Studien zeigen: Die Deutschen kaufen immer mehr online und das nicht nur in der Weihnachtszeit. Am häufigsten werden Kleidung und Schuhe bestellt, aber auch Handys, elektronische Geräte oder sogar Möbel. Bei einer Umfrage sagten über die Hälfte der Personen, dass sie online einkaufen, weil sie eine größere Auswahl an Produkten haben als im Geschäft. Und weil sie so bequemer einkaufen können, einfach von zu Hause aus. Dann werden die Sachen nach Hause geliefert, das ist ein weiterer Vorteil.
Text bearbeitet und gekürzt aus Stefanie WÜLFING. Presse und Sprache (Januar 2019)