Teil 2: Leseverständnis — BLICKKONTAKT. Vier Freunde erzählen über Blickkontakt in verschiedenen Kulturen. Friedbert in London: „Ich würde nicht sagen, dass das Anblicken ein Tabu ist, aber mir fällt schon auf, dass das in Großbritannien seltener gemacht wird als in Deutschland. Unsere Schulleiterin begrüßt jedes Kind jeden Morgen mit Namen. So, ich gehe dann neben meinem Kind her, an der Schulleiterin vorbei und sie schaut mir nicht in die Augen. Sie schaut mir nie in die Augen. Das macht man nicht.“ Nicole in Los Angeles: „Normalerweise ist es in den USA so, dass man keinen großen Blickkontakt hat, vor allem seitdem alle Menschen immer nur auf ihre Handys schauen. Mir ist es neulich erst wieder aufgefallen, da habe ich gewartet in einem Flughafen in Florida, und wirklich jeder einzelne Mensch, der mit mir am Gate saß, schaute auf sein Handy. Und diese kurzen Gespräche, die man früher mit seinem Sitznachbarn geführt hat oder mit jemandem, mit dem man in der Schlange steht, die gibt es doch wirklich nur noch ganz, ganz selten.“ Linda in Nairobi: „In Nairobi sieht man die Menschen an, mit denen man spricht. Natürlich ist der Kenianer höflich. Also, ein freundlicher Gruß, und die Leute dabei auch ansehen, das ist höflich. In den ländlichen Regionen Kenias ist aber vor allem der Altersunterschied wichtig. Wenn ich als junger Mensch oder als Kind mit einem älteren Menschen spreche, dann muss ich den Blick niederschlagen, weil das sonst ein Zeichen von mangelndem Respekt ist.“ Jürgen in Paris: „Die häufigste Situation, in der man überhaupt mit Menschen in Blickkontakt treten kann, ist die U-Bahn. Hier in der Metro, ist mein Eindruck, dass man sich sehr ungerne ansieht. Auch Flirten, was ein Klischee ist, dass die französischen Männer und auch die französischen Frauen sehr gerne und sehr häufig flirten, das kann ich überhaupt nicht sagen. Ich habe das sehr, sehr selten gesehen.“ Text bearbeitet und gekürzt aus Matthias Baxmann und Matthias Eckoldt [online]. https://www.deutschlandfunkkultur.de (Februar 2020). Vokabeln: r Blick: mirada; s Anblicken: el fet de mirar / el hecho de mirar; auffallen: cridar l’atenció / llamar la atención; in der Schlange stehen; s Schlangestehen: fer cua; el fet de fer cua / hacer cola; el hecho de hacer cola; selten: rarament / raramente; ländlich: rural; niederschlagen: abaixar / bajar; mangelnd: escàs, insuficient / escaso, insuficiente.